Im Tal der Sinn, mitten im schönen Spessart, liegt die Marktgemeinde Obersinn. Waldbedeckte Berge erheben sich zu beiden Seiten des engen Sinntals und laden zu ausgedehnten Wanderungen ein.Als Obern-Synne taucht die Gemeinde im Jahre 1413 erstmals in den Urkunden auf, doch ihre Ursprünge reichen viel weiter zurück. Schon 1275, als wenige Kilometer südlich das Dorf Mittelsinn gegründet wurde, muss es einen flussaufwärts gelegenen Ort namens Obersinn gegeben haben. Das Zentrum der Macht aber lag in Synna, dem heutigen Burgsinn.Die Dörfer im Sinngrund gehörten am Anfang zu den weitverzweigten Besitzungen des Klosters Fulda, gingen aber bald an das Hochstift Würzburg über. Das Bistum blieb bis zum Jahre 1405, als der Fürstbischof Schloss Sinn an Wilhelm von Thüngen verkaufte, Eigentümer der drei Orte. Seit dieser Zeit gehörte Obersinn zum Herrschaftsgebiet der Geschlechter von Thüngen und von Hutten, und das sollte bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts so bleiben. Dem Glaubensbekenntnis seiner Herrschaften folgend wurde der Sinngrund im 16. Jahrhundert lutherisch reformiert. Als in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Hochstift Würzburg die Oberhoheit über weite Teile des Sinngrundes wiedererlangte, gründete man in Obersinn eine neue katholische Pfarrei.Im 19. Jahrhundert wechselte Obersinn mehrmals die Amtszugehörigkeit, bevor es 1862/63 dem Bezirksamt Gemünden zugeschlagen wurde. Heute gehört Obersinn zum Main-Spessart-Kreis und ist durch die Bahn mit Fulda im Norden und Gemünden im Süden verbunden.In Obersinn hat sich ein alter Volksbrauch bis heute erhalten: Am Fastnachtsmontag wird, wie schon seit Jahrhunderten, das Feuerrad abgebrannt. Es ist ein Fest, bei dessen Vorbereitung das ganze Dorf mitwirkt. Nach dem Abendgeläut der Kirche wird das brennende Rad den Berghang hinabgerollt und reinigt so das Dorf.Geht das Feuerrad wohl noch auf vorchristliches Brauchtum zurück, so verdankt die katholische Pfarrei Obersinn ihre Einrichtung dem Bestreben des Hochstifts Würzburg, die protestantischen Bewohner des Sinntals wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen. Eine kleine Kapelle gab es in Obersinn schon vor 1471, doch erst im Zuge der Gegenreformation wurde sie 1671 zur Pfarrei erhoben. Die Zahl der Gläubigen wuchs rasch, und so begann man im Jahre 1706 mit dem Anbau eines Langhauses. Aber die Zeit setzte dem alten Mauerwerk immer stärker zu, bis das Kirchlein 1829 zum ersten Mal wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Nach dem Abriss erfolgte von 1858 bis 1866 der Bau der heutigen, neugotischen Kirche mit Langhaus und dreigeschossigem Turm. Sie ist Jakobus dem Älteren geweiht.
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27.05.2012